
Urlauber, die am Ostermontag aus dem Tessin und Italien zurückkehrten, erlebten eine bekannte, aber rekordverdächtige Geduldsprobe: Autos und Wohnmobile stauten sich auf einer Länge von 20 Kilometern vor dem Gotthard-Strassentunnel in der Schweiz. Der Touring Club Schweiz (TCS) registrierte Wartezeiten von über drei Stunden am Nordportal und bis zu 90 Minuten in Richtung Süden, wodurch die Autobahn A2 den ganzen Tag über zu einem stehenden Parkplatz wurde. Das Osterwochenende ist traditionell die verkehrsreichste Zeit auf der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung der Schweiz, doch 2026 wurde dieser Rekord dank einer Kombination aus schönem Wetter, starkem Inlandstourismus und reduzierter Bahnkapazität durch den Basistunnel übertroffen. Dort wurden mehrere Passagierzüge aus Gründen der Menschenmengensteuerung begrenzt. Trotz offizieller Empfehlungen, die Route über den San-Bernardino (A13) oder den Lötschberg-Autoverlad zu wählen, waren auch alternative Strecken schnell überlastet, mit Rückstaus bis Bellinzona und Chiasso an der italienischen Grenze. Sowohl Logistikunternehmen als auch Freizeitreisende waren betroffen. Lieferungen am selben Tag zwischen Nordeuropa und Norditalien verpassten garantierte Zeitfenster, und mehrere Schweizer Supermarktketten warnten vor Verzögerungen bei der Nachlieferung frischer Produkte am Dienstag. Grenzgänger, die am Dienstag früh in der Lombardei arbeiten, wurden geraten, vor Tagesanbruch aufzubrechen oder von zu Hause aus zu arbeiten. Der Vorfall hat die Debatte über die langfristige Mobilitätsstrategie der Schweiz neu entfacht. Der zweite Gotthard-Strassentunnel, dessen Bau seit 2022 läuft, wird erst gegen Ende des Jahrzehnts fertig sein, sodass mindestens vier weitere Osterwochenenden ohne zusätzliche Straßenkapazität bevorstehen. Umweltverbände fordern von der Politik, mehr Ferienverkehr auf die Schiene zu verlagern, etwa durch dynamische Mautgebühren an Spitzentagen, während Speditionsverbände argumentieren, dass zeitlich festgelegte Buchungen den Güterverkehr am Laufen halten könnten. Für Reisende bleibt vorerst nur, klüger zu planen: Stoßzeiten bei der Rückkehr meiden, den San-Bernardino-Autoverlad möglichst vorab buchen und die Echtzeitwarnungen des TCS vor Fahrtantritt prüfen. Unternehmen mit regelmäßigem Nord-Süd-Personalverkehr sollten zwischen April und Oktober großzügige Zeitpuffer einplanen, wenn das Tourismusaufkommen am höchsten ist.
Quelle: Swiss Observer