
Kaum Stunden nach dem Start des Ein- und Ausreisesystems (EES) schlagen Branchenverbände mit Sitz in Belgien Alarm. In einer scharf formulierten gemeinsamen Erklärung aus Brüssel vom 10. April warnten der Airports Council International Europe (ACI Europe) und Airlines for Europe (A4E), dass die ersten verpflichtenden biometrischen Kontrollen zu Passagierstaus von zwei bis drei Stunden an der Grenzkontrolle führten und einige Flüge halb leer abflogen, weil verspätete Reisende das Gate nicht rechtzeitig erreichten. Als Beispiele wurden ein Brüssel-London-Flug genannt, der ohne 51 Passagiere startete, sowie ein weiterer innergemeinschaftlicher Abflug, bei dem zum geplanten Schließzeitpunkt keine Passagiere an Bord waren. Die Verbände fordern die Europäische Kommission auf, den Grenzschutzleitern zu erlauben, die biometrische Erfassung „vollständig auszusetzen“, wenn die Warteschlangen eine festgelegte Grenze überschreiten – eine Option, die mit dem Ende der Pilotphase um Mitternacht entfiel. Die größten Probleme gibt es am Drehkreuz der belgischen Netzwerkfluggesellschaft am Flughafen Brüssel, wo Schengen- und Nicht-Schengen-Ströme in veralteter Infrastruktur aufeinandertreffen, die für eine einfachere Zeit gebaut wurde. Handgepäck und Duty-Free-Bestimmungen führen dazu, dass viele Passagiere weiterhin Flüssigkeiten mit sich führen, die eine zusätzliche Kontrolle auslösen und die Engpässe in den Luftseitengängen zu den neuen EES-Kiosken verschärfen. Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI, betonte, dass der Ruf Europas – und Belgiens – als nahtloses Reiseziel für Touristen und Geschäftsreisende „auf dem Spiel steht“, gerade jetzt, wo die Fluggesellschaften ihre Sommerpläne hochfahren. Die Organisation setzt sich für flexible Regeln ein, die es Grenzbeamten erlauben, bei Spitzenzeiten wieder auf visuelle Passkontrollen umzuschalten, kombiniert mit einer größeren Informationskampagne, damit Reisende verstehen, dass sie bis zu vier Stunden vor Abflug am Flughafen sein sollten. Für globale Mobilitätsteams lautet die praktische Konsequenz: Mehr Pufferzeit in Reisepläne einbauen, Entsandte vor möglichen verpassten Anschlussflügen warnen und die Reaktion Belgiens beobachten, während andere Schengen-Staaten ähnliche Ausnahmeregelungen fordern.
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