
Zwei Wochen nach der Einführung des biometrischen Ein- und Ausreisesystems (EES) der Europäischen Union an allen externen Schengen-Grenzen hat das Echtzeit-Analyseunternehmen Qsensor erste Vergleichsdaten veröffentlicht. Die Zahlen bestätigen, was Reisende bereits spüren: Das neue System sorgt an stark frequentierten Drehkreuzen für erhebliche Wartezeiten. In Zürich (ZRH) stiegen die durchschnittlichen Wartezeiten bei der Passkontrolle im Vergleich zur Zeit vor EES um 26 Prozent. Besonders problematisch sind jedoch die Spitzenzeiten: Am 22. April betrug die längste Wartezeit für Nicht-Schengen-Ankünfte 120 Minuten, als drei Großraumflugzeuge innerhalb von 20 Minuten landeten. Dieses Muster zeigt sich auch in Amsterdam und Frankfurt, doch Schweizer Airlines sind besonders betroffen, da Zürich auf enge 45-Minuten-Umsteigezeiten für Langstreckenverbindungen setzt. Swiss International Air Lines hat bereits 40 Bodenmitarbeiter als „Kiosk-Begleiter“ umgeschult und empfiehlt Firmenkunden, bei Einreise über Zürich mindestens drei Stunden Umsteigezeit einzuplanen, bevor sie in Europa weiterreisen. Das EES verlangt von jedem Drittstaatsangehörigen bei der ersten Einreise die Abgabe von vier Fingerabdrücken und eines Gesichtsscans; spätere Grenzübertritte werden biometrisch überprüft. Das System ersetzt das manuelle Abstempeln des Reisepasses, verlagert die Arbeitsbelastung jedoch auf die Selbstbedienungskioske und Grenzbeamten. Das Grenzwachtkorps Zürich plant, vor den Sommerferien acht weitere Selbstbedienungsstationen zu installieren, räumt aber ein, dass Personalmangel den Fortschritt bremsen könnte. Mobilitätsberater sollten ihre Reisevorbereitungen anpassen: Mitarbeiter sollten die EU-App „Travel to Europe“ herunterladen, um Daten vorab zu registrieren, längere Pufferzeiten in den Reiseplänen einbauen und kritische Kundentermine am Ankunftstag aus Langstreckenmärkten vermeiden. Fluggesellschaften wiederum müssen mit möglichen Verzögerungen bei Slots rechnen, wenn sich die morgendlichen Einreisewarteschlangen bis zur Gate-Schließung ausdehnen.
Quelle: Qsensor Blog