
In einer klaren Stellungnahme vor dem Referendum am Sonntag warnten die führenden Unternehmen Roche und Nestlé gemeinsam mit dem Branchenverband Economiesuisse davor, dass die „10-Millionen-Initiative“ die Fähigkeit der Schweiz, ausländische Fachkräfte anzuziehen, stark beeinträchtigen könnte. Fortune berichtete am 12. Juni, dass die Umfragen weiterhin knapp sind: 45 % der potenziellen Wähler tendieren zur Begrenzung, 52 % sind dagegen. Wird die Verfassungsänderung angenommen, müsste die Regierung restriktive Asyl- und Familiennachzugsmaßnahmen einleiten, sobald die Bevölkerung 9,5 Millionen erreicht, und das Freizügigkeitsabkommen mit der EU aussetzen, wenn die 10-Millionen-Marke überschritten wird – ein Szenario, das Demografen für die frühen 2040er Jahre erwarten. Unternehmen befürchten, dass ein plötzlicher Verlust des Zugangs zu EU-Talenten Forschungs- und Entwicklungsprojekte gefährden und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz schwächen könnte. Der Standortleiter von Roche in Basel betonte, dass der Life-Sciences-Sektor „seinen Fachkräftebedarf nicht im Inland decken kann“, während Nestlé vor einem Innovationsrückgang warnte. Der Arbeitgeberverband Die Arbeitgeber ergänzte, dass eine starre Obergrenze die demografische Realität ignoriert: Die Schweiz hat bereits 30,2 Rentner pro 100 Erwerbstätige – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Analysten vergleichen die wirtschaftlichen Folgen der Abstimmung mit dem Brexit und weisen darauf hin, dass ein „Ja“ Bern zwingen würde, die Vielzahl bilateraler EU-Abkommen zu Handel, Forschung und Luftfahrt neu zu verhandeln oder aufzugeben. Mobilitätsteams sollten Notfallpläne für Einstellungen vorbereiten, darunter verstärkte Nutzung von innerbetrieblichen Versetzungen und Remote-Arbeit in benachbarten EU-Staaten. Sollte die Initiative angenommen werden, wären die Änderungen nicht sofort wirksam – das Parlament hätte mehrere Jahre Zeit, um Umsetzungsgesetze zu erarbeiten – doch allein die Unsicherheit könnte multinationale Konzerne dazu bringen, Expansionsprojekte zu überdenken. Personalverantwortliche sollten Führungskräfte und Vorstände nach den Ergebnissen am 14. Juni über mögliche Szenarien informieren.
Quelle: Fortune