
Der belgische Staatsbahnbetreiber NMBS/SNCB hat seinen Extremhitze-Notfallplan aktiviert, nachdem das Königliche Meteorologische Institut für weite Teile des Landes eine rote Warnung ausgegeben hat. Von Mittwoch, dem 24. Juni, bis Freitag, dem 26. Juni, wurden täglich rund vierzig P-Züge (Stoßzeiten-Expresszüge) und sechzig S-Züge (Vorortverbindungen) vor allem in der Region Brüssel und Antwerpen gestrichen. Ab 15:00 Uhr ersetzten Busse alle Dieselzüge auf den Strecken Gent–Eeklo/Oudenaarde/Ronse und Gent–Geraardsbergen, wo Gleissensoren Temperaturen über 55 °C registrierten. Älteres Wagenmaterial mit eingeschränkter Klimatisierung ist besonders anfällig für überhitzte Traktionsmotoren und verformte Schienen. Die NMBS betonte, dass vorbeugende Ausfälle kostengünstiger und sicherer seien als Zugausfälle unterwegs, die Fahrgäste in stickigen Waggons zurücklassen könnten. Der Infrastrukturbetreiber Infrabel stationierte Notfall-Schweißteams an bekannten Hitze-Hotspots und reduzierte die Streckengeschwindigkeit auf Abschnitten mit durchgehend verschweißten Schienen um bis zu 40 km/h. Diese Maßnahmen fallen mit einem Anstieg des Freizeitverkehrs an die Küste zusammen – schlechte Nachrichten für Geschäftsreisende, die auf abendliche Intercity-Verbindungen vom Flughafen Brüssel oder den EU-Institutionen angewiesen sind. Arbeitgeber sollten ihre Mitarbeiter anweisen, die NMBS-App zu beobachten, großzügige Umsteigezeiten einzuplanen und Direktbusse zum Flughafen oder Fahrgemeinschaften in Betracht zu ziehen. Nach EU-Verordnung 1371/2007 haben Fahrgäste bei Zugausfällen Anspruch auf Umbuchung oder volle Rückerstattung, jedoch keine Entschädigung für Folgeschäden wie verpasste Flüge. Klimaforscher warnen, dass Belgien, einst als gemäßigtes Eisenbahnparadies bekannt, nun mit mediterranen Extremtemperaturen konfrontiert ist, die Pünktlichkeit beeinträchtigen und Wartungskosten erhöhen werden. Die NMBS testet hitzebeständige Schwellen und reflektierende Schotterfarben, doch die meisten Modernisierungen sind erst im Investitionszyklus 2028–2032 geplant – ein Zeithorizont, den Manager der globalen Mobilität bei langfristigen Standortentscheidungen und Pendlerregelungen berücksichtigen müssen. Da für Samstag ein Temperaturrückgang erwartet wird, plant die NMBS, den regulären Fahrplan mit 3.800 Zügen pro Tag wieder aufzunehmen, behält jedoch die Wetterprognosen für die kommende Woche genau im Blick. Die aktuelle Situation unterstreicht die Dringlichkeit des Antrags der Betreiber auf 480 Millionen Euro Bundesmittel zur Beschleunigung der Streckenmodernisierung vor der EU-Ratspräsidentschaft 2027 in Brüssel.
Quelle: NMBS (Official Service Update)
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