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EU-Kommissar Brunner fordert Ende der Grenzkontrollen zwischen Österreich und Deutschland

Juli 20, 2026
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EU-Kommissar Brunner fordert Ende der Grenzkontrollen zwischen Österreich und Deutschland
Bei einem Besuch in Salzburg am 19. Juli erklärte EU-Migrationskommissar und ehemaliger österreichischer Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), dass die Zeit gekommen sei, die vorübergehenden Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze auszusetzen. Die Kontrollen wurden 2015 auf dem Höhepunkt der europäischen Flüchtlingskrise eingeführt und seitdem alle sechs Monate verlängert. Laut Brunner sind die irregulären Grenzübertritte auf dieser Route im ersten Halbjahr 2026 um 37 % und in den letzten zwei Jahren um 55 % zurückgegangen, was zeige, dass „wir die Kontrolle zurückgewonnen haben“.

Dieser Vorstoß bringt Wien in eine schwierige Lage. Innenminister Gerhard Karner steht auf der Seite seiner deutschen Kollegin Nancy Faeser, die für den Erhalt der Kontrollen plädiert. Sie argumentieren, dass die Kontrollen Schleuser abschrecken und der Polizei helfen, mit europäischen Haftbefehlen gesuchte Flüchtige zu fassen. Bei einem jüngsten bilateralen Treffen einigten sich die beiden Minister darauf, gemeinsame Patrouillen und stichprobenartige Kontrollen am Walserberg und anderen Grenzübergängen fortzusetzen.

Wirtschaftsverbände beklagen hingegen, dass Verzögerungen im Güterverkehr Kosten und Unsicherheiten in den grenzüberschreitenden Lieferketten verursachen. Brunners Argumentation wird von Autofahrern und Urlaubern bestätigt, die ORF am Kontrollpunkt Walserberg befragte. Die meisten gaben an, dass die verpflichtende Kontrolle in Spitzenzeiten bis zu einer Stunde Wartezeit verursacht und „nicht mehr verhältnismäßig“ sei, da die Migrationszahlen zurückgehen. Tourismusbetriebe in Salzburg und Bayern befürchten einen erneuten Sommer mit Staus, gerade jetzt zur Hochsaison.

Nach dem Schengen-Kodex sollten Kontrollen an Binnengrenzen nur das letzte Mittel und zeitlich streng begrenzt sein. Bereits im April warnte der Europäische Gerichtshof, dass einige Mitgliedstaaten die rechtlichen Grundlagen für wiederholte Verlängerungen ausreizen. Sollte sich Österreich Brunners Position anschließen, könnte dies der Kommission helfen, Berlin davon zu überzeugen, die Kontrollen nach Ablauf der aktuellen Genehmigung im Oktober auslaufen zu lassen.

Für Unternehmen, die Personal und Waren über den Alpenkorridor transportieren, ist der politische Machtkampf mehr als Symbolik. Spediteure schätzen, dass jede zusätzliche Viertelstunde Wartezeit etwa 80 Euro an Fahrer- und Treibstoffkosten pro Lkw verursacht. Multinationale Unternehmen mit Just-in-Time-Produktionslinien zwischen Bayern und Oberösterreich beobachten den nächsten Entscheidungstermin daher genau und drängen beide Hauptstädte, statt pauschaler Kontrollen auf risikobasierte, informationsgestützte Maßnahmen zu setzen, wie sie die Kommission empfiehlt.
Quelle: ORF Salzburg

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