
Hunderte Passagiere mussten am 18. September unerwartete Wartezeiten in Kauf nehmen, nachdem der österreichische Flugsicherungsdienst Austro Control eine Welle kurzfristiger Krankmeldungen unter den Anfluglotsen meldete. Zwischen 12:00 und 17:00 Uhr Ortszeit wurde die Anzahl der Landungen am Flughafen Wien-Schwechat vorübergehend um fast 50 Prozent reduziert, was dazu führte, dass Fluggesellschaften Flugzeuge in der Luft halten und nachfolgende Abflüge verzögern mussten. Allein Austrian Airlines berichtete von Verzögerungen bei mindestens 15 Flügen, auch Eurowings, Ryanair und British Airways waren betroffen. Der Flughafenbetreiber Flughafen Wien AG betonte, dass die Sicherheit zu keinem Zeitpunkt gefährdet war, räumte jedoch ein, dass die reduzierte Ankunftsrate den gesamten Nachmittagsplan beeinträchtigte. Lautsprecheransagen im Terminal 3 boten freiwillige Umbuchungen mit einer Entschädigung von 250 Euro für Passagiere an, die bereit waren, ihren Platz auf überbuchten Flügen aufzugeben – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Airlines Schwierigkeiten hatten, die Auslastung neu zu verteilen. Bodenabfertigungsteams wurden umdisponiert, um wartenden Reisenden Wasser und Snack-Gutscheine anzubieten, und der Flughafen öffnete zusätzliche Arbeitsplätze im Business Center für gestrandete Geschäftsreisende. Der Vorfall zeigt, wie knapp die Personalreserven in der europäischen Flugsicherung weiterhin sind. Trotz eines Verkehrsaufkommens, das immer noch 6 Prozent unter dem Niveau von 2019 liegt, haben Pensionierungen und Einstellungsstopps während der Pandemie die Kontrollzentren anfällig für plötzliche Ausfälle gemacht. Austro Control erwartet eine Normalisierung des Betriebs bis zum Abend und betonte, dass die Dienstpläne für das Wochenende vollständig abgedeckt sind. Dennoch wird Reiseleitern empfohlen, den Status der Frühflüge am 19. September zu überprüfen und zusätzliche Umsteigezeiten für Anschlusszüge oder Straßenverbindungen einzuplanen. Nach der EU-Verordnung 261/2004 sind Fluggesellschaften bei außergewöhnlichen Flugsicherungsstörungen in der Regel von finanziellen Entschädigungen befreit, müssen jedoch weiterhin Betreuung und Unterstützung leisten. Unternehmen mit zeitkritischen Terminen in Mitteleuropa sollten als Ausweichmöglichkeit die zweimal täglich verkehrende Railjet-Verbindung zwischen Wien und München oder den Nachtzug Nightjet nach Zürich in Betracht ziehen, bis die Personalsituation stabilisiert ist. Der Vorfall wird den Druck auf die Geschäftsführung von Austro Control vor den für Oktober geplanten Tarifverhandlungen erhöhen, bei denen die Gewerkschaften voraussichtlich höhere Personalreserven und Maßnahmen zur psychischen Gesundheit fordern werden. Sollten die Verhandlungen scheitern, ist mit weiteren Störungen im Herbst zu rechnen.
Quelle: MeinBezirk.at
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