
Im Vorfeld der Entscheidung des Bundesrats im Juni zum Bahninfrastrukturpaket 2045 verschärft sich der Wettbewerb zwischen den Schweizer Regionen. Die Verantwortlichen im Kanton St. Gallen haben nun ihre Wunschliste öffentlich gemacht. In einem am Sonntag von SWI swissinfo.ch veröffentlichten Interview nannte Patrick Ruggli, Leiter des kantonalen Amts für öffentlichen Verkehr, drei Prioritäten zur Förderung der internationalen und interregionalen Mobilität. Ganz oben steht der Ausbau der Bahnhöfe St. Gallen und Rorschach, um einen durchgehenden, halbstündlichen internationalen S-Bahn-Verkehr nach Österreich zu ermöglichen. Derzeit müssen Grenzgänger in St. Margrethen umsteigen, was für Unternehmen auf beiden Seiten des Rheintals ein Engpass ist. Zweitens fordert der Kanton die Beseitigung des eingleisigen Abschnitts zwischen Rorschach und Rorschach-Stadt, der aktuell die Kapazität für Güter- und Personenverkehr am Bodensee begrenzt. Drittens soll der Abschnitt Tiefenwinkel–Mühlehorn auf der Walensee-Strecke zweigleisig ausgebaut werden, um die Fernverkehrsfahrpläne zwischen Zürich, Sargans sowie Zielen in Liechtenstein und Österreich zu stabilisieren. Experten betonen, dass diese Maßnahmen in Kombination mit nationalen Leuchtturmprojekten wie dem bereits im Bau befindlichen Brüttenertunnel (Winterthur–Zürich) die Fahrzeit zwischen Zürich und St. Gallen endlich unter 60 Minuten drücken und einen zusammenhängenden Ostschweizer Knotenpunkt für internationalen Güter- und Geschäftsverkehr schaffen würden. Für Mobilitätsplaner in Unternehmen lautet die Botschaft zweigleisig: Die mittelfristige Schienenanbindung in der Ostschweiz verbessert sich, doch der Wettbewerb um Fördermittel ist hart. Firmen mit hohem Pendleraufkommen oder Exportlogistik in der Region sollten die Konsultationsphase nutzen, um bei den Bundesbehörden für ihre Verkehrsachsen zu werben und eine Benachteiligung zu vermeiden.
Quelle: SWI swissinfo.ch