
Flandern überraschte am 15. Juli viele, als es die Typgenehmigung für Teslas „Full Self-Driving (Supervised)“-Software für den Einsatz auf den Straßen der Region erteilte. Da die Fahrzeugtypgenehmigung eine Bundeskompetenz ist, gilt die Entscheidung automatisch für ganz Belgien – einschließlich der Region Brüssel-Hauptstadt, die zuvor nicht konsultiert wurde. Die Brüsseler Mobilitätsministerin Elke Van den Brandt begrüßte die Technologie grundsätzlich, betont jedoch, dass die Hauptstadt eigene Bedingungen vor einer großflächigen Einführung festlegen wird. Brüssel hat seine Mobilitätsstrategie an „Vision Zero“ gekoppelt, dem Ziel, den Verkehrstod bis 2030 zu eliminieren, und befürchtet, dass teilautomatisierte Fahrzeuge die Staus verschärfen könnten, wenn sie leer zwischen den Fahrten unterwegs sind. Die Region fordert daher einen „evidenzbasierten Regulierungs-Sandbox“, in dem Daten vor dem kommerziellen Rollout mit den Behörden geteilt werden. Der Bundesminister für Mobilität, Jean-Luc Crucke, bestätigte, dass eine interföderale Arbeitsgruppe einen zweiphasigen Rechtsrahmen ausarbeitet. Phase 1 (bis Ende 2026) wird Regeln für Tests autonomer Fahrzeuge festlegen; Phase 2 (bis Ende 2027, Inkrafttreten am 1. Oktober 2028) wird vollständig homologierte fahrerlose Dienste regeln, einschließlich Versicherung, Haftung, Cybersicherheit und Datenverwaltung. Unternehmensmobilitätsmanager und Fuhrparkbetreiber sollten die bevorstehende Bundesstrategie genau verfolgen. Frühzeitige Anwender, die Sicherheits- und Emissionsvorteile nachweisen können, erhalten voraussichtlich bevorzugten Zugang zum Brüsseler Sandbox und anderen regionalen Pilotprojekten. Arbeitgeber müssen jedoch ihre Fürsorgepflichten aktualisieren: Das in Flandern genehmigte Tesla-System erfordert weiterhin einen menschlichen Fahrer, der jederzeit eingreifen kann, sodass die üblichen Firmenwagenrichtlinien weiterhin gelten. Für Geschäftsreisende sind die unmittelbaren Auswirkungen begrenzt, die mittel- bis langfristigen Folgen jedoch erheblich. Gelingt es Belgien, die regionalen Regeln zu harmonisieren, könnte Brüssel zu einem wichtigen Testmarkt für Level-4-Robo-Taxis und autonome Shuttles im EU-Viertel und an den Flughafen-Korridoren werden, was die Abhängigkeit von Mietwagen und Chauffeuren verringert.
Quelle: The Brussels Times