
Frankreichs Défenseur des droits, die unabhängige Verfassungsbehörde, die den Zugang der Bürger zu öffentlichen Dienstleistungen überwacht, hat die Handhabung von Aufenthaltsanträgen für Ausländer scharf kritisiert. In ihrem am 14. April veröffentlichten Jahresbericht 2025 stellt die Aufsichtsbehörde fest, dass Beschwerden im Zusammenhang mit den Rechten von Ausländern auf 40 % aller Fälle gestiegen sind – nach nur 10 % im Vorjahr. Die überwiegende Mehrheit betrifft die Verlängerung von Aufenthaltskarten und wiederholte Störungen des Online-Portals des Innenministeriums, ANEF. Antragsteller berichten, dass die Website während des Uploads abstürzt, Passwörter verloren gehen und es keinen Kontakt zu einem menschlichen Sachbearbeiter gibt. Ohne die vorläufigen Bescheinigungen (récépissés), die die Präfekturen während der Bearbeitung ausstellen, geraten Tausende in einen illegalen Status, verlieren ihre Arbeit, Krankenversicherung und das Recht zu reisen. Der Bericht zitiert frustrierte Nutzer: „Ich habe dutzende Male angerufen, aber es wird immer wieder aufgelegt.“ Innenminister Laurent Nuñez erkennt die Krise an und kündigte in einem Rundschreiben an die Präfekturen vom 5. April an, die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten von 117 auf 55 Tage zu verkürzen, indem 500 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und automatisch digitale 12-monatige récépissés ausgestellt werden. Der Défenseur warnt jedoch, dass die Digitalisierung mit persönlicher Unterstützung für weniger technikaffine Personen einhergehen muss, da selbst hochqualifizierte Fachkräfte mit dem System kämpfen. Aus Sicht der Unternehmensmobilität birgt der Rückstau reale Risiken: Mitarbeiter können ohne gültige Karte oder récépissé nicht arbeiten, Bankkonten eröffnen oder zu Kundenterminen reisen. Personalabteilungen sollten daher Verlängerungen so früh wie rechtlich möglich beantragen, Ablaufdaten genau überwachen und rechtliche Unterstützung einplanen, falls das ANEF-Portal den Zugang verweigert. Mehrere Migrantenrechtsorganisationen haben den Conseil d’État um einstweilige Maßnahmen gebeten. Eine Anhörung am 11. April ließ das Gericht erkennen, dass „hier keine Kleinigkeit auf dem Spiel steht“, was auf eine verbindliche Entscheidung innerhalb weniger Wochen hindeutet. Unternehmen mit vielen Expatriates in Frankreich sollten den Fall aufmerksam verfolgen und sich auf weitere Verfahrensänderungen einstellen.
Quelle: Connexion France
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