
Die Billigfluggesellschaft Ryanair nutzt die Entscheidung von Eurowings, ihre Basis am Flughafen Graz zu schließen, um ihre langjährige Kampagne gegen Österreichs Luftverkehrssteuern und Flughafengebühren zu verstärken. In einer am 3. Juli 2026 veröffentlichten Erklärung behauptete die irische Airline, Österreich gehe „schlafwandlerisch auf Streckenverluste zu“ und warnte, dass Arbeitsplätze und Tourismus weiterhin in günstigere Nachbarländer abwandern würden, sofern die Passagiersteuer von 12 Euro nicht abgeschafft werde. Der Rückzug von Eurowings bedeutet den Wegfall von zwei A320-Flugzeugen, die wöchentlich 80 Flüge zu deutschen Drehkreuzen durchführten, was Geschäftsreisende in Südösterreich zwingt, über Wien oder München umzusteigen. Ryanair ist derzeit nicht in Graz vertreten, argumentiert jedoch, dass die Schließung zeigt, wie kostenempfindlich die regionale Anbindung geworden ist. Die Airline gibt an, bis zu zehn weitere Flugzeuge in Österreich stationieren zu können, falls die Steuer abgeschafft wird, und verweist auf ihre Erfahrungen in Italien, wo eine ähnliche Abgabe 2025 rückgängig gemacht wurde. Österreich führte die Ökosteuer 2011 ein und erhöhte sie 2023 auf 12 Euro für innereuropäische Flüge. Das Finanzministerium entgegnet, dass die Abgabe Klimaschutzprojekte finanziere und mit den EU-Nachhaltigkeitszielen in Einklang stehe. Der Flughafenverband VIE + Partners weist jedoch darauf hin, dass regionale Flughäfen anteilig mehr Kurzstreckenflüge abwickeln und daher als erste unter der Steuer leiden. Für Geschäftsreisende bedeutet dies ab Oktober weniger Direktverbindungen von Graz nach Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg. Die Ticketpreise über Wien sind bereits um 9 % im Wochenvergleich gestiegen, da die Kapazitäten knapper werden. Unternehmen mit Außendienst in der Steiermark sollten ihre Reisezeitvergütungen überprüfen und Premium-Zugverbindungen in Betracht ziehen, die 2 Stunden 45 Minuten nach Wien und 6 Stunden nach München dauern. Politisch erhöht der Streit den Druck auf die österreichische Koalitionsregierung, ihren Luftverkehrsfahrplan für 2027 zu überdenken. Bleiben die Steuern bestehen, sind weitere Kapazitätskürzungen bei Innsbruck und Linz wahrscheinlich, was die innerösterreichische Mobilität verändern und mehr Reisende auf die Schiene verlagern könnte.
Quelle: TravelWise
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